Erste Monatsversammlung von Go-Vit nach Corona-Pause: ÖPNV als tragende Säule für gleichwertige Lebensverhältnisse

05. August 2020

Nach fünf Monaten Pause wegen der Corona-Pandemie wurde beim Verein zur Förderung nachhaltiger Mobilität die Reihe der Monatsversammlungen mit Einladung eines Politikers weitergeführt.

So konnte Ende Juli Vorsitzender Dr. Wolfgang Schlüter den SPD - Abgeordneten Christian Flisek begrüßen. Der Rechtsanwalt aus Passau war von 2013 bis 2017 Mitglied des 18. Deutschen Bundestages und ist seit 2018 Abgeordneter im Bayerischen Landtag. Flisek ist Mitglied des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst im Bayerischen Landtag.

Etwa 40 interessierte Vereinsmitglieder waren in den Biergarten des Gasthauses Ettl-Bräu nach Teisnach gekommen, wo man gut im Freien sitzend die Hygienemaßnahmen einhalten konnte. Wolfgang Schlüter betonte in seinen einleitenden Worten, dass man froh sein, sich wieder treffen zu können und dass er in Hinblick auf den Öffentlichen Nahverkehr in der Region optimistisch in die Zukunft blicke. Trotz der schwierigen Bedingungen aufgrund Corona werde die Waldbahn inzwischen wieder gut genutzt und besonders Touristen freuen sich über das attraktive Angebot. Wenn auch Corona bedingt der gesamte ÖPNV einen Einbruch erlebt und das 1000er-Kriterium derzeit nicht erreichbar sein kann, so sieht er das Gutachten, das vom Landratsamt und der BEG beauftragte wurde, als Grundlage, die zeigt, dass die Kriterien langfristig erfüllt werden können.

Christian Flisek bedankte sich für die Einladung und zeigte sich, auch aufgrund seiner Erfahrungen mit der Ilztalbahn, über die Situation von Reaktivierungsstrecken gut informiert. Die Zivilgesellschaft mache Druck für eine Mobilität in der Region, er sehe einen zeitgemäßen ÖPNV als elementare Säule für gleichwertige Lebensverhältnisse. Nicht nur betriebswirtschaftliche Erwägungen seien gefragt, sondern: „es ist eine politische Grundsatzentscheidung, ob man einen funktionierenden Öffentlichen Nahverkehr fördern will“. Das 1000er-Kriterium bezeichnet er als ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert, das seinerzeit für ganz andere Maßnahmen festgelegt wurde. Positiv aufgenommen wurde von den Vereinsmitgliedern seine Aussage: „Wenn Schienen vorhanden sind, dann natürlich mit der Bahn.“ Dass man dafür viel Geld in die Hand nehmen müsse, sei klar. Weitere Aspekte für die Überführung des Probebetriebs in einen Regelbetrieb wurden erörtert: Für Schüler dürfe dieser nicht zu einer Verschlechterung der Mobilität führen, denn sonst würde der Konflikt in die Region getragen. Ein Bayernweiter Verkehrsverbund mit einem einheitlichen Ticketsystem für das ganze Land, eine gute Infrastruktur und modernes Zugmaterial, attraktive Angebote für Radfahrer, nicht nur für Touristen, würden zu mehr Akzeptanz beitragen, und Wohlstand und Wertschöpfung in der Region fördern. „Wir müssen die Bahn in einen Regelbetrieb überführen!“, und dafür sei es notwendig, die politischen Mehrheiten zu bilden. In der darauffolgenden Diskussion wurde angesprochen, dass aufgrund der momentan notwendigen Hygienemaßnahmen andere Voraussetzungen gegeben seien, um die geforderten Kriterien zu erfüllen. Auch geänderte Arbeitsgewohnheiten wie home-office fördern die Attraktivität des ländlichen Raums und benötigen eine bessere Infrastruktur in den Bereichen Digitalisierung und Mobilität. Bedürfnisse von bewegungseingeschränkten Menschen wurden thematisiert, da für sie der Zug eine wesentlich besserere Alternative als ein Bustransfer darstellt. Ein eindringlicher Appell eines Vereinsmitglieds an den Politiker schloss die Diskussion ab: „Suchen Sie in allen Fraktionen Mitstreiter für unsere Bahn! Bitte!“, denn Mobilität für alle ist nur möglich mit dem ÖPNV. Mit einem herzlichen Dank für die Zeit und die Gesprächsbereitschaft des Landtagsabgeordneten schloss Wolfgang Schlüter die lebhafte Diskussion ab und wies auf die nächsten Termine hin

Teilen