Flisek und Sperber: Hochschulstandort Niederbayern regional weiter stärken

08. Juli 2019

Antrittsbesuch des wissenschaftspolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion an der TH Deggendorf

Zu einem ausführlichen Gespräch trafen sich der wissenschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag Christian Flisek aus Passau und der Präsident der Technischen Hochschule Deggendorf Prof. Dr. Peter Sperber. Sperber berichtete über die enorme Entwicklung der TH Deggendorf in den letzten Jahren. „Im Wintersemester haben sich über 2000 Studierende neu bei uns eingeschrieben. Derzeit studieren fast 7000 Studentinnen und Studenten an der TH“, erklärte der Präsident. Über 20 % davon seien internationale Studierende. Mit über 1500 Studentinnen und Studenten aus aller Welt sei man bayernweit Spitzenreiter. Besonders stolz zeigte sich Sperber über die in den letzten Jahren enorm gestiegenen Drittmittel. Mit ca. 100.000 € pro Professor und einer Summe von über 20 Mio. € insgesamt stehe man in Bayern an erster Stelle. Bei den Projekten, die im Rahmen von EU-INTERREG gefördert wurden, gibt es aber zunehmend Probleme, den Eigenanteil zu stemmen. Hier sei der Freistaat aufgefordert, den Hochschulen stärker unter die Arme zu greifen. „Die Technische Hochschule kann und will in den nächsten Jahren weiter wachsen“, stellte Sperber klar. Bis 2030 wolle man die Zahl der Studierenden auf 10000 erhöhen. Allerdings sei man schon jetzt an der Belastungsgrenze angelangt. Es fehlten Lehrpersonal und Räume. Die zusätzlich zur Verfügung gestellten Mittel aus dem Hochschulpakt würden alleine durch anstehende Lohnerhöhungen aufgefressen, erklärte der Präsident. Im Rahmen des diesjährigen Doppelhaushalts ist es leider auch nicht zu den beantragten Stellenaufwüchsen gekommen, die die Hochschule dringend benötigt hätte. Der Aufbau des European Campus Rottal-Inn und die Errichtung der Fakultät für Digitalisierungstechnologie wird daher nur verzögert und nicht im geplanten Umfang möglich sein „Die Hochschulen kommen im Doppelhaushalt für die nächsten beiden Jahre eindeutig zu kurz“, bedauert Flisek. Die Staatsregierung habe den Schwerpunkt auf konsumtive Ausgaben gelegt, anstatt nachhaltig in die bayerische Hochschullandschaft zu investieren. „Es kann doch nicht sein, dass sich der Freistaat aus seinen Kernaufgaben zurückzieht und die Hochschulen im Stich lässt“, ärgert sich der Passauer Abgeordnete. Der von der Staatsregierung angekündigte Konsolidierungskurs an den Hochschulen führe mittelfristig zur Verkleinerung des Studienangebots und zur Senkung der Studierendenzahlen. Gerade die TH Deggendorf zeigt, dass die Regionalisierung der Hochschullandschaft ein voller Erfolg ist. Mittlerweile unterhält die TH Deggendorf 10 Technologietransferzentren und ein Gesundheitszentrum über ganz Niederbayern verteilt. „Durch diese Forschungseinrichtungen wird die Hochschule in die Fläche gebracht und dadurch für viele junge Menschen erstmals interessant. Hierdurch kann es gelingen, Know-how und Innovationskraft zu erhalten und zu gewinnen, um dem Industriestandort Niederbayern nachhaltig zu stärken“, ist sich Flisek sicher. Interessiert zeigte sich der Passauer Abgeordnete über die Kooperation zwischen der TH und der Privatuniversität Krems. Ab dem Jahr 2023 sollen zwanzig niederbayerische Medizinstudenten aus Krems im ehemaligen Kloster Metten ihren Master absolvieren. Mit Unterstützung des Bezirks Niederbayern soll so ein Beitrag im Kampf gegen den Ärztemangel geleistet werden, erklärte Sperber. Flisek, der sich für Errichtung einer medizinischen Fakultät und ein Universitätsklinikum für Niederbayern stark macht, lobte das Konzept und betonte: „Ich sehe darin eine willkommene Ergänzung der Passauer Pläne, ein Vollstudium der Medizin anzubieten und keine Konkurrenz.“ Im Kampf gegen den immer stärker werdenden Ärztemangel in Niederbayern gebe es nicht die eine richtige Lösung. Vielmehr müssten alle Beteiligten an einem Strang ziehen und jeweils maßgeschneiderte Konzepte erarbeiten. „Auch bei der medizinischen Versorgung brauchen wir gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Bayern“, stellte Flisek abschließend klar.

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