MdL Christian Flisek: Kulturelle Vielfalt im ländlichen Raum erhalten und Fördermöglichkeiten erweitern.

28. Mai 2020

SPD-Landtagsfraktion fordert ein nachhaltiges Investitionsprogramm für freie Kulturszene in Bayern

Der Passauer Landtagsabgeordnete Christian Flisek fordert eine verstetigte und nachhaltige Förderung der Freien Kulturszene in Bayern.

Ein Antrag der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag, in dem die Staatsregierung aufgefordert wird, ein Konzept für ein Investitionsprogramm für die Freie Kulturszene vorzulegen, wurde am heutigen Mittwoch im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst beraten und mit den Stimmen der Regierungsfraktionen von CSU und Freie Wähler sowie von der AfD-Fraktion abgelehnt.

Die derzeit bestehenden bayerischen Kulturförderprogramme hätten die Freie Kulturszene insbesondere in den ländlich geprägten Regionen zu wenig im Blick, kritisiert Kulturpolitiker Christian Flisek. Für die Ablehnung des Antrags, dem auch die Faktionen der Grünen und der FDP zugestimmt haben, hat er deshalb wenig Verständnis.

„Gerade die Corona-Pandemie zeigt doch die strukturellen Schwächen der bayerischen Kulturförderung. Die Freie Kulturszene mit prekären Arbeitsbedingungen und vielfach ehrenamtlichen Strukturen ist von den Veranstaltungsverboten und -ausfällen besonders betroffen und leidet derzeit unter existenzbedrohenden Einnahmenausfällen. Zwar wurden beispielsweise die Mittel des Kulturfonds in den letzten Jahren etwas erhöht, allerdings werden die ausgeschütteten Mittel regional sehr ungleichmäßig verteilt und das obwohl die beiden größten bayerischen Städten München und Nürnberg von der Förderung des Kulturfonds explizit ausgeschlossen sind“, erläutert der Kulturpolitiker. Der Regierungsbezirk Niederbayern stehe in diesem Jahr mit einer Förderquote von nur 5,2 % bayernweit an letzter Stelle.

Dabei sei gerade im ländlichen Raum, wo es selten großen Konzerthäuser oder Museen gäbe, die örtliche Szene der Kunst- und Kulturschaffenden für das kulturelle und gesellschaftliche Leben prägend. In allen Regionen Bayern gäbe es unzählige Ensembles und Vereinigungen, Initiativen und Vereine, die ein riesiges Spektrum von bildender Kunst über Schauspiel bis hin zu Tanz und Musik abdecken.

„Am Beispiel der Stadt Passau kann man besonders gut sehen, wie agil, kleinteilig und vielfältig, aber auch innovativ eine örtliche Szene sein kann. Gerade in den letzten Jahren hat das kulturelle Leben durch die Kunst- und Kulturnacht, das Impuls-Festival oder das Kulturmodell einen großen Aufschwung erlebt. Zu verdanken ist das in erster Linie den vielen kreativen Köpfen, die meist ehrenamtlich oder nur nebenberuflich in diesem Bereich aktiv sind und einer großzügigen Kulturförderung der Stadt Passau“, lobt Flisek.

Der SPD- Politiker sieht aber auch den Freistaat in der Pflicht: „Die ungeheure Vielfältigkeit unserer Kulturlandschaft verdient ein breit angelegtes und unbürokratisches Förderinstrument, um möglichst viele Kulturschaffende und Initiativen zu erreichen und zu unterstützen“, fordert Flisek

Der Landtagsabgeordnete stellt klar, dass es nicht darum gehe, verschieden Kunst- und Kulturbereiche oder Stadt und Land gegeneinander auszuspielen, betont aber, dass die freie Kulturszene in den letzten Jahren zu wenig in den Blick genommen wurde.

„Wenn wir uns beispielweise die zu erwartenden Kostensteigerungen beim Münchner Konzerthaus ansehen, dann wird klar, dass offenbar ausreichend Mittel im Kulturhaushalt vorhanden sind, die Schwerpunkte aber zu sehr auf Großprojekte in den Metropolen gelegt werden. Ich bin der Überzeugung, dass die Freie Kulturszene zur kulturellen Vielfalt ebenso beiträgt, wie die etablierten Kunst- und Kulturangebote in kommunaler oder staatlicher Trägerschaft. Gerade auch deshalb, weil die freien Kulturschaffenden oft das einzige Angebot in ländliche Regionen sind, die mit unterschiedlichsten Angeboten eine breite Teilhabe für unterschiedlichste Bevölkerungs- und Altersgruppen ermöglichen.“

Deshalb fordert der Passauer Abgeordnete dringend verstetigte und nachhaltige Investitionen in die Freie Kulturszene. „Nicht zuletzt aufgrund der Corona-Krise ist leider zu befürchten, dass viele Projekt endgültig vor dem Aus stehen, wenn nicht schnell neue Förderinstrumente geschaffen werden“, zeigt sich Flisek besorgt. Die Folgen wären für das kulturelle Leben im ländlichen Raum dramatisch.

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