Mehr Unterstützung für familiengeführte Landwirtschaft

01. Juli 2020

MdL Christian Flisek im Gespräch mit „Land schafft Verbindung“

Vor wenigen Wochen hatten örtliche Landwirte der Bewegung „Land schafft Verbindung“ noch vor der SPD-Geschäftsstelle in Passau demonstriert, jetzt fand das damals vereinbarte Gespräch mit dem Passauer Landtagsabgeordneten Christian Flisek statt. Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Hans Neumayer traf sich Flisek mit Vertretern der Protestbewegung aus dem Landkreis Passau. Darunter auch Rainer Seidl, derzeit Vorsitzender von „LsV Bayern“.

Auslöser der jüngsten Proteste war der aktuelle „Bericht zur Lage der Natur“, der im Mai auf einer Pressekonferenz des Bundesumweltministeriums vorgestellt wurde. Die Landwirte sehen sich darin zu Unrecht als Hauptverursacher der schwindenden Artenvielfalt dargestellt. Die Vorstellung des Berichtes habe bei vielen Bäuerinnen und Bauern zu großem Unmut geführt, erklärten die Landwirte. Während die technischen und bürokratischen Herausforderungen zuletzt immer größer wurden, sei das gesellschaftliche Ansehen immer stärker gesunken. Dabei habe man in den letzten Jahren bereits große Anstrengungen unternommen, um die steigenden Anforderungen an Klima-, Tier- und Umweltschutz zu erfüllen. Viele Landwirte hätten bereits große Investitionen in die Modernisierung ihrer Höfe und Maschinen getätigt. Die kürzlich verschärfte Düngeverordnung setzte viele Betriebe zusätzlich unter Druck.

Nach einem Hofrundgang, bei dem Landwirt Neumayer dem Landtagsabgeordneten einen Einblick in seinen Betrieb gab, nahm man sich Zeit für ein ausführliches Gespräch. Flisek bedankte sich für die Einladung und erklärte: „Die bayerischen Landwirte versorgen die Gesellschaft mit hochwertigen, regionalen Lebensmitteln und prägen unsere niederbayerische Kulturlandschaft. Es ist deshalb wichtig, klarzustellen, dass die Landwirte in aktuellen gesellschaftlichen Fragen nicht einseitig an den Pranger gestellt werden dürfen.“ im kritisierten Bericht ist die Landwirtschaft nur einer von vielen Bereichen, der in Sachen Naturschutz problematisiert wird. Auch der Ausbau von Verkehrsinfrastruktur, die Ausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten sowie der Klimawandel sind beispielsweise für den Rückgang der Artenvielfalt mitverantwortlich. Der niederbayerische Abgeordnete betonte, dass es Aufgabe der Politik sei, im Rahmen des europarechtlichen Rahmens nach den bestmöglichen Lösungen für die bayerischen Betriebe zu suchen. Insbesondere bei der Umsetzung der Düngeverordnung müsse man deshalb nachbessern. „Wir brauchen dringend ein dichteres Messstellennetz in Bayern, damit wir die Nitratbelastung im Grundwasser genauer bestimmen können. Die Untätigkeit der bayerischen Staatsregierung müssen nun die Landwirte ausbaden. Mit mehr Messstellen könnten wir eine viel genauere Kartierung der roten und grünen Gebiete erreichen“, ist Flisek überzeugt. Aber auch in den roten Gebieten dürfe es nicht automatisch zu einer Reduzierung der Düngemenge von 20 Prozent für alle Betrieb kommen. Einzelne Betriebe müssten von der Reduzierung ausgenommen werden können, wenn ihre Verbrauchsbilanzen in Ordnung seien. Der SPD-Abgeordnete hofft zudem, dass die Digitalisierung der Verwaltung in Zukunft auch den Datenaustausch zwischen Landwirten und Behörden erleichtern wird. Auch die Nachwuchsprobleme der Landwirte bereiten Flisek große Sorgen: „Gerade die familiär geführte, bäuerliche Landwirtschaft steht häufig zu Unrecht in der Kritik. Nur noch wenige Menschen haben eine konkrete Vorstellung davon, was es bedeutet einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen. Ein besseres Verständnis darüber, wo und wie unsere Lebensmittel erzeugt werden, kann wieder zu einer breiteren Akzeptanz führen und die Attraktivität der landwirtschaftlichen Berufe steigern.“ Zum Abschluss des Gesprächs vereinbarte man, den Dialog weiter fortzuführen: „Es muss uns gelingen, die Frontstellung zwischen der Landwirtschaft auf der einen und dem Klima- und Umweltschutz auf der anderen Seite aufzubrechen. Dazu werden beide Seiten die ausgetretenen Pfade verlassen und ideologische Gräben überwinden müssen“, betonte Flisek.

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