Offener Brief an Ministerpräsident Dr. Markus Söder

02. Oktober 2019

Offener Brief der MdL Christian Flisek und Alexander Muthmann: Politische Grundsatzentscheidung für staatliche Medizinerausbildung in Niederbayern.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

mit Freude haben wir Ihre Ankündigung vernommen, innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Milliarde Euro zusätzlich im Hochschulbereich investieren zu wollen. Die Schaffung von 1.000 neuen Professuren und 10.000 zusätzlichen Studienplätzen werden ein wichtiger Impuls für die bayerische Hochschullandschaft sein.

Wir sind der festen Überzeugung, dass es unerlässlich ist, nicht nur in bestehende Lehrstühle und Forschungseinrichtungen zu investieren, sondern auch die Errichtung neuer Standorte in den Blick zu nehmen.

Wie Ihnen bekannt ist, ist Niederbayern der einzige Regierungsbezirk in Bayern, in dem es keine staatliche Medizinerausbildung gibt.

Derweil sind gerade die ländlichen Regionen in unserem Regierungsbezirk besonders stark vom Ärztemangel betroffen. Dieser Zustand wird sich in den nächsten Jahren nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels weiter verschärfen.

Deshalb wird eine moderne Hausarztausbildung in Zukunft immer wichtiger werden. Denn in vielen Regionen ist der Hausarzt mangels niedergelassener Fachärzte der erste und wichtigste Ansprechpartner der Patientinnen und Patienten.

Während die akademische Medizin das Modell Hausarzt eher stiefmütterlich behandelt, haben viele Experten bereits erkannt, wie wichtig der Generalist in Zukunft für die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen sein wird.

Der scheidende Präsident der Technischen Universität München Prof. Dr. Wolfgang Herrmann hat die Universität Passau in einem Interview mit der Passauer Neuen Presse für eine modernisierte Landarztausbildung ins Spiel gebracht.

Bereits zu Beginn dieser Legislaturperiode haben die Fraktionen von FDP und SPD im Bayerischen Landtag deshalb einen Antrag eingebracht, in dem die bayerische Staatsregierung aufgefordert wurde, ein Konzept zur Weiterentwicklung der Hochschullandschaft im Bereich der staatlichen Medizinerausbildung vorzulegen.

Darüber hinaus forderten wir einen Grundsatzbeschluss für den Aufbau einer staatlichen Medizinerausbildung in Niederbayern.

In der Region gibt es seit langem konkrete Forderungen, die über mehrere Parteien und auch Fachverbände durchweg positiv bewertet werden. Insbesondere möchten wir hier auf die Äußerungen des Präsidenten der bayerischen Landesärztekammer Dr. Gerald Quitterer verweisen, der gegenüber dem Bayerischen Rundfunk eine medizinische Fakultät für Passau fordert.

Und auch die Präsidentin der Universität Passau Prof. Dr. Carola Jungwirth hat sich bereits frühzeitig für die Schaffung einer medizinischen Fakultät an der Universität Passau ausgesprochen.

Eine vom Passauer Stadtrat einstimmig über Parteigrenzen hinweg eingesetzte Kommission hat ihre Arbeit mittlerweile aufgenommen.

Für ein tragfähiges Konzept, das im Wissenschaftsrat überzeugt, brauchen wir aber eine politische Grundsatzentscheidung der Staatsregierung und eine vom Wissenschaftsministerium eingesetzte Expertenkommission, die mit renommierten Fachleuten aus Deutschland und Bayern besetzt ist.

Die staatliche Medizinerausbildung darf nicht nur in Metropolregionen stattfinden.

Eine Grundsatzentscheidung für eine Medizinerausbildung in Niederbayern wäre daher eine wichtige strukturpolitische Entscheidung. Sie würde einen wirtschaftlichen Schub für die gesamte Region bedeuten und die Zielsetzung einer wohnortnahen medizinischen Versorgung befördern.

Wir sind überzeugt, dass Niederbayern bereit ist, diese Herkulesaufgabe zu stemmen.

Unsere Region steht einmütig hinter diesem Anliegen.

Mit der Technischen Hochschule Deggendorf und der Universität Passau hat Niederbayern zwei herausragende Hochschulen, die insbesondere im Bereich Informatik und künstlicher Intelligenz bemerkenswerte Forschung betreiben.

Das sind ideale Voraussetzungen für den Aufbau eines modernen Medizinstudiengangs, der die klassische Medizinerausbildung durch die Einbeziehung digitaler Innovationen bestens ergänzen kann.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

Ihre Regierungserklärung bietet eine gute Gelegenheit, dass die Staatsregierung endlich ihre Beobachterrolle verlässt und die zuständigen Ministerien mit der Federführung der weiteren Prozesse und Untersuchungen beauftragt.

Niederbayern wartet darauf und hat es verdient.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Flisek
Mitglied des Bayerischen Landtags

Alexander Muthmann
Mitglied des Bayerischen Landtags

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