„Was bitte ist ein Zukunftslobbyist?“

15. September 2017

Auf Einladung von MdB Christian Flisek war der Politologe und Buchautor Wolfgang Gründinger zu Gast im Bürgerbüro der SPD Vilshofen. Dort las der selbst ernannte Zukunftslobbyist aus seinem Buch, das als „Politische Buch des Jahres 2017“ ausgezeichnet wurde.

In „Alte Säcke Politik“ stellt der Autor die These auf, dass die Interessen der jungen Menschen in der Politik zu wenig vertreten und wichtige Reformen für die Zukunftsfähigkeit der Bundesrepublik verschlafen werden. So seien beispielsweise junge Menschen für ein schnelles Vorantreiben der Digitalisierung und ältere Menschen eher dagegen. Man sehe hier bei vielen Themen einen großen Unterschied.

Gründinger stellte aber klar: „Nein, die Älteren beuten die Jungen nicht aus“. So einfach sei es dann doch nicht. Alle Großeltern wollen schließlich das Beste für ihre Enkel. Dennoch sei es nur logisch, dass in einer repräsentativen Demokratie, in der die Bevölkerung immer älter wird und in der die unter 40-jährigen in der Minderheit sind, die Interessen dieser Altersgruppe nicht so stark vertreten werden.

„Man wird nicht als Demokrat geboren“, stellte Christian Flisek in den Raum und forderte, dass mehr politische Bildung an den Schulen unterrichtet werden müsse.

Kontrovers wurde in der Runde die Einführung eines Familienwahlrechts diskutiert, bei dem Eltern zusätzliche Stimmen für ihre Kinder bekommen. Gründinger fordert stattdessen ein Wahlrecht ab Geburt, bei dem die Kinder selbst entscheiden können, wann sie sich bereit fühlen zu wählen.

Auch die Einführung bundesweiter Volksentscheide stand zur Debatte. Auch hier seien die Jungen, bei der aktuellen demographischen Entwicklung, im Nachteil. Hier gebe es keine Balance zwischen Alt und Jung. Das Ausmaß dieses Ungleichgewichtes sehe man beim Brexit, so Wolfgang Gründinger. Selbst wenn 100 Prozent der jungen Menschen zur Wahl gegangen wären und alle für einen Verbleib in der EU gestimmt hätten, wären sie trotzdem überstimmt worden.

Um der Jugend wieder eine laute Stimme zu geben, müsse sie sich mit den Älteren verbünden. Als positives Beispiel wurde eine gemeinsame Veranstaltung der Jusos mit der AG60+ zum Thema Sterbehilfe genannt. „Das ist doch schon mal ein guter Start!“, schließt der MdB.

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