Zu viel Autonomie schadet den Hochschulen

05. November 2020

Die SPD-Landtagsabgeordneten Ruth Müller und Christian Flisek sprechen mit Hochschulpräsident Prof. Dr. Fritz Pörnbacher über das neue Hochschulgesetz

Mit der Hightech Agenda Plus und der anstehenden Reform des Hochschulgesetzes dominieren derzeit zwei hochinteressante Themenblöcke die tägliche Arbeit an den bayerischen Hochschulen und Universitäten. Welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf die Hochschule Landshut haben und wie die Lage vor Ort ist, wollten die SPD-Landtagsabgeordneten Ruth Müller und Christian Flisek von Hochschulpräsident Prof. Dr. Fritz Pörnbacher bei einem Treffen am Campus in Erfahrung bringen.

Als Mitglied im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst sowie wissenschaftlicher Sprecher der SPD-Landtagsfraktion ist Flisek ein ausgewiesener Experte im Bereich der Hochschulpolitik. Er zeigte sich deshalb sehr interessiert an den Erfahrungen Pörnbachers im Hinblick auf die Hightech Agenda Plus. Vonseiten der Hochschule werde diese sehr begrüßt, betonte Pörnbacher. „Mit den uns zugewiesenen Stellen können wir die Personalsituation am Campus entspannen und viele neue Studiengänge aufbauen.“ Man habe sich jedoch auch ein wenig überrannt gefühlt, ergänzte der Hochschulpräsident. „Wir verfügen nur über begrenzte Ressourcen und arbeiten mit Hochdruck daran, die vakanten Stellen zu besetzen. Um wirklich das geeignete Personal zu finden, braucht es jedoch Zeit.“

Kontroversen um Gesetzesreform

Ein noch weitaus brisanteres Thema sei jedoch die Hochschulnovelle, die zeitnah verabschiedet werden soll. „Sie wird auf Jahrzehnte den Rahmen setzen für die Entwicklung unserer bayerischen Hochschullandschaft“, so Flisek. Für Pörnbacher einer der Hauptgründe, warum in der Politik sowie an den Hochschulen und Universitäten so viele kontroverse Diskussionen entstehen: „Ich befürworte sehr, dass die Hochschulen mehr Autonomie erhalten, die komplette Verantwortung abzugeben, halte ich jedoch für den falschen Weg.“

Sehr kritisch sehen Müller, Flisek und Pörnbacher die freie Hand bei der internen Organisation. „Das kann zwar funktionieren“, so Flisek, „hängt aber vom Personal vor Ort ab.“ Zu befürchten sei entweder ein „Durchregieren“ des Präsidiums oder ein zu mächtiges Hochschulgremium, das alle Beschlüsse blockiert und somit zu Stillstand an der Hochschule führt. „Kooperation ist das A und O, eine Hochschule langfristig voranzubringen“, so die Überzeugung Pörnbachers. „Um das zu gewährleisten, ist eine übergeordnete Instanz sicher sehr sinnvoll.“ Die SPD-Landtagsabgeordneten und der Hochschulpräsident sehen die Politik deshalb in der Pflicht, bei der Verabschiedung des neuen Gesetzes besonderes Fingerspitzengefühl walten zu lassen und nicht zu überstürzt zu handeln.

Im Fokus des Gesprächs zwischen Müller, Flisek und Pörnbacher stand neben der bayerischen Hochschulpolitik auch die Entwicklung der Hochschule selbst und welche Pläne Pörnbacher in seiner Amtszeit verfolge. „Wir haben als Bildungseinrichtung vor allem ein Ziel: unsere Studierenden bestmöglich auf das Berufsleben vorzubereiten“, so der Hochschulpräsident. Wichtig sei außerdem, die Absolventinnen und Absolventen in der Region zu halten. „Das klappt aber nur, wenn wir unser Angebot an attraktiven Studiengängen immer weiter ausbauen“, betonte Pörnbacher. Auch die Internationalisierung stehe bei ihm ganz oben auf der Agenda. „Mein Wunsch wäre es, dass jeder Studierende ein Semester im Ausland verbringt.“ Davon profitiere auch die heimische Wirtschaft. Der persönliche Reifeprozess während eines Auslandssemesters sei durch nichts zu ersetzen. „Ich habe es oft genug erlebt: Die Studierenden brechen als Kinder auf und kehren als Erwachsene zurück.“

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